Realitäten im Senegal

 
 

Senegal ist ein Küstenstaat in Westafrika, umgeben von Guinea, Mali, Mauretanien und liegt somit direkt am atlantischen Ozean. Herzlichkeit und Freundlichkeit, bunte Farben und Formen der Kleider prägen die Strassen von Senegal. Die Familie und die Bindung zueinander stellen im Senegal eine grosse Wichtigkeit dar. Da in diesem Land so gut wie keine staatliche soziale Vorsorge existent ist, bedeutet die Grossfamilie auch Rückhalt, eine Altersvorsorge und Krankenversicherung. Auch sind die Feste, welche gemeinsam mit der Familie, Freunden, Nachbarn und dem Dorf zelebriert werden von grosser Bedeutung für die Festigung der Beziehung und den Zusammenhalt. So macht der Kinderreichtum vielerorts den Wohlstand aus. Die Religion und der Glaube sind omnipräsent. Im Senegal leben verschiedenste Religionen zusammen. Das friedliche Zusammensein ist dabei besonders auffällig. An Festen werden sich gegenseitig Geschenke sowie Besuche gemacht. Auch Ehen werden über die konfessionellen Grenzen hinaus geschlossen.


Im Senegal besteht eine Schulpflicht, welche aus sechs Jahren Grundschule (École Élementaire) und dem Collège von vier Jahren besteht. Danach ist die Schulpflicht beendet. Etwa 86% der Kinder werden eingeschult, wovon ca. ein Drittel die Grundschule aber nicht beenden. Die Hälfte der Bevölkerung sind Analphabeten. Das Schulsystem orientiert sich am französischen Schulsystem. Die Nationalsprache ist Französisch, wodurch diese auch die Unterrichtssprache ist. Die Herausforderung dabei ist jedoch, dass viele Kinder das Französisch nicht beherrschen und nur die einheimische Sprache «Wolof» sprechen. Der Religionsunterricht findet mehrheitlich in den Koranschulen (Dara) statt, welche einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft einnehmen. In den Koranschulen werden Koraneinweisungen gemacht, Disziplinierung und Demut vermittelt. Arabisch ist die Unterrichtssprache. In den modernen Koranschulen wird auch Französisch gelernt, was den späteren Übergang in die Regelschule erleichtert. Es wird davon ausgegangen, dass die Koranschule das Gedächtnis der Kinder schult und somit eine gute Voraussetzung für die anschliessende Schulzeit schafft. Es gibt zwei verschieden Möglichkeiten, wie man die Kultur des Islams erlernen kann. Einerseits werden Tageskurse in den Moscheen angeboten, welche die Kinder besuchen können. Die Kinder leben allgemein in ihren Familien. Damit sichergestellt ist, dass die Kinder während ihrem Aufenthalt in der Moschee von den Lehrpersonen nicht auf die Strasse zum Betteln geschickt werden, bezahlen die Eltern jeweils monatlich einen bestimmten Beitrag. Andererseits gibt es die Koranschulen (Dara), welche man sich als eine Art Internat vorstellen kann. Die Koranschulen (Dara) sind so konzipiert, dass die Eltern ihren Kindern der Lehrperson (Mara) anvertrauen und somit die Kinder in den Koranschulen leben. Doch leider sind nicht alle Daras vertrauenswürdig. Aufgrund der hohen Armut geschieht es oft, dass es Lehrpersonen (Mara)) gibt, die ihre Schüler den ganzen Tag auf die Strasse schicken, um nach Geld oder Essen zu betteln. So kommt es vor, dass gewisse Geldbeträge gefordert werden, ohne die die Kinder geschlagen werden würden. Aufgrund der Distanz, des Respekts oder der Armut können die Kinder meistens nicht ins Elternhaus zurück. Dies führt dazu, dass die Kinder immer wieder die Option wählen, sich auf der Strasse alleine durchzukämpfen. Wobei dadurch die Armut im Vordergrund steht. Oftmals wissen die Elternhäuser nicht direkt um die Umstände an den Koranschulen, in die sie ihre Kinder schicken. Die Kinder werden oft in die Daras gebracht, da das Elternhaus nicht in der Lage ist, alle zu versorgen. So gehen die Kinder oft auch auf die Strasse, um nach Essen, Arbeit und Geld Ausschau zu halten. Denn auf diese Weise versuchen sie ihre Familie zu unterstützen. Aufgrund dessen sieht man hier in den Strassen von Senegal vermehrt Kinder und Jugendliche, welche schwer beladen beispielsweise Einkäufe tragen oder sonstige schwere Dinge schleppen.


Ein Viertel der Bevölkerung lebt unter der absoluten Armutsgrenze und von der Hand in den Mund. Dies bedeutet, dass das wenig verfügbare Geld direkt in Nahrung investiert wird, sofern überhaupt welches vorhanden ist. Die Mehrheit der Bevölkerung finanziert sich den Alltag durch Gelegenheitsarbeit und lässt sich von der Grossfamilie durchbringen. So kommt es, dass das wenige Geld in Bezug auf die Bildung mehrheitlich für die Jungs genutzt wird. Die Mädchen brechen die Schule aufgrund Verheiratung, Schwangerschaft oder Armut oft vorzeitig ab. Sie werden für die Haushaltsaufgaben und für das Verkaufen von Produkten auf dem Markt und den Strassen von Senegal gebraucht. So können sie sich auf die Ehe vorbereiten und all die Aufgaben, welche dadurch auf sie zukommen. Wobei Themen wie beispielsweise Menstruation, Sexualität und Verhütung Tabu-Themen darstellen und unter den Frauen meist Falschinformationen, Unwissen und religiöse Dogmen vorhanden sind. Die Jungs wiederum träumen davon, Profifussballer zu werden und setzen alles daran, dies zu erreichen. Deshalb sieht man in den Strassen von Senegal unzählige Jungs stundenlange beim Fussballspielen. Der Schwerpunkt der Bevölkerung liegt darin, die eigene Familie versorgen zu können und in einem eigenen Haus, etwas separiert von der Familie, zu leben. Die Wege dahin sind unterschiedlich. Es gibt welche, die eine Möglichkeit haben, das Studium zu absolvieren, andere nutzen den ersten Moment, um zu arbeiten. So existiert die Realität, dass die Mehrheit der Kinder bereits sehr früh arbeitet. Manchmal sogar bevor sie richtig lesen und schreiben können. Sie halten sich auf den Strassen auf, betteln und suchen nach Gelegenheitsarbeiten oder sonstigen Möglichkeiten, an Nahrung zu gelangen.

 

©Verein "Coeurs des Enfants"